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Donnerstag, 28. September 2006 Studiengebühren in Deutschland - notwendige Mitfinanzierung oder Abzocke?Geschrieben von MS in StudiengebührenKommentare (0) | Trackbacks (0) Zu Beginn des neuen Semesters werden in sieben deutschen Bundesländern allgemeine Studiengebühren eingeführt. Aus diesem Anlass veröffentlichte die internetbasierte Tageszeitung "Berliner Umschau" am heutigen Donnerstag einen Schwerpunkt zum Thema. Tanja (19) studiert ab dem Wintersemester 2006 Jura an der Universität Bonn, nachdem sie in dieser Stadt auch bereits ihr Abitur absolviert hat. Sie hat sich aus mehreren Gründen für ein Studium dort entschieden. Zum einen, weil die Universität in einem sehr guten Ruf für ihr Studienfach steht und zum anderen, weil sie dadurch, dass sie zu Hause wohnen bleiben kann, eine erhebliche Menge Geld einspart, dass sie sonst für Miete usw. ausgeben müsste. Sie ist der Meinung, dass Studiengebühren dann sinnvoll sind, wenn das Geld für bessere Lehrmittel und dergleichen eingesetzt wird, findet aber gleichzeitig auch, dass es für viele Studenten nichts weiter als eine erhebliche Belastung bedeutet und Lernen und Bildung nicht unbedingt fördern wird. Tanja hat einen Mini-Job, den sie auch während des Studiums weitermachen wird, und teilt sich auf diese Weise die Studiengebühren mit ihren Eltern. Ein Darlehen hatte sie zwar in Erwägung gezogen um ihre Eltern nicht belasten zu müssen, die Vorstellung, nach dem Studium vor einem zwar zu bewältigenden aber dennoch immensen Schuldenberg zu stehen, hat sie sich aber anders entscheiden lassen. Konstanze (19) wird ebenfalls ab dem Wintersemester 2006 ein Studium in Nordrhein-Westfalen beginnen. Sie ist grundsätzlich der Meinung, dass Studiengebühren eine "Sauerei" sind, und dass dadurch vielen jungen Menschen die Chance auf ein Studium verwehrt bleiben wird, weil sie es sich nicht leisten können. Sie findet, dass es gegen den Grundsatz der Chancengleichkeit und des Rechtes auf Bildung verstößt, ein Studium von finanziellen Mitteln abhängig zu machen, zumal sie sich sicher ist, dass den Universitäten selber kein Cent der erhobenen Gebühren zu Gute kommen wird, und wenn, wird es nicht in Lehrmittel investiert. Sie hat zwar erwogen in einem gebührenfreien Bundesland zu studieren, hat letztendlich ihre Entscheidung aber danach getroffen, welche Universität das beste Studienangebot und die geeigneten Rahmenbedingungen bietet. Dafür hat sie auch in Kauf genommen, während des Studiums hart arbeiten zu müssen, denn ihre Eltern können die Kosten für ein Studium nicht gänzlich tragen. Den vollständigen Beitrag finden Sie unter www.rbi-aktuell.de/cms/front_content.php?client=1&lang=1&idcat=17&idart=10468 Anders in der Hauptstadtregion - sowohl Berlin, als auch Brandenburg bleiben zunächst gebührenfrei. Die "Berliner Umschau" sprach dabei mit Tobias Dornisch, zuständiger Referent beim AStA der Universität Potsdam: B.U.: Die meisten Bundesländer führen die Gebühren in diesem oder im kommenden Semester ein, wann rechnen Sie mit einer Entscheidung in Brandenburg? T.D.: Ich rechne nicht damit, dass es eine Entscheidung geben wird. Ich denke, dass immernoch - das sollte man eigentlich auch in Brandenburg sehen, obwohl die CDU das zur Zeit bewusst ausblendet - die Wissenschaftsstandorte Berlin und Brandenburg nicht voneinander zu trennen sind und es für Brandenburg als Wissenschaftsstandort auf jeden Fall Selbstmord wäre Studiengebühren einzuführen. Wenn Brandenburg Studiengebühren einführt und Berlin gebührenfrei bleiben würde, würden massiv Studenten in Richtung Berlin abwandern. Die Profilierung der Universität Potsdam, die über Jahre hinweg jetzt mühsam aufgebaut wurde, würde damit zu Nichte gemacht und der Wissenschaftsstandtort Potsdam würde marginalisiert werden. B.U.: Angeblich sollen die Gebühren aber ja die Situation an den Universitäten verbessern... T.D.:Das ist ein beliebtes Argument, aber wenn man sich die Diskussion und auch die Umsetzung in den Bundesländern, wo jetzt Studiengebühren eingeführt werden, anschaut, wird man schnell feststellen, dass das nicht zu halten ist. Uns erreichen erste Berichte von den Entwürfen und auch von den Umsetzungen. Da wird, zum Beispiel, ein Drittel der Gebühren alleine für die Risikoabschirmung verwendet. Also für den Fall, dass Darlehen für Studiengebühren nicht zurückgezahlt werden können. Diese Gelder sind damit für die Lehre unverwendbar, sondern liegen nur auf irgendwelchen Konten rum und werden wahrscheinlich in Zukunft auch für diesen Zweck größten Teils eingesetzt. Auch der Verwaltungsaufwand bei der Erhebung dieser Gebühren und die ganzen Aufnahmebedingungen, die da in den jeweiligen Bundesländern jetzt diskutiert werden, zeigen, dass sich das am Ende nicht lohnen dürfte. Das vollständige Interview finden Sie unter www.rbi-aktuell.de/cms/front_content.php?client=1&lang=1&idcat=17&idart=10470 Ein Überblick über die Situation in allen 16 Bundesländern (www.rbi-aktuell.de/cms/front_content.php?client=1&lang=1&idcat=17&idart=10466) und dem Ausland (www.rbi-aktuell.de/cms/front_content.php?client=1&lang=1&idcat=17&idart=10464) ergänzt diesen Schwerpunkt. Überall, so der Kommentar der "Berliner Umschau", wird den Schülern und Studenten suggeriert, dass die Studiengebühren früher oder später sowieso eingeführt werden, und dass es keinen Sinn hat, sich dagegen zu wehren. Die Gebühren werden als ein unabdingbares Muss dargestellt, aber das ist nicht wahr. Die Unterfinanzierung des Bildungssystems ist politisch gewollt, damit die Bürger zu dem Glauben kommen, dass einfach tatsächlich zu wenig Geld existiert um das Bildungssystem, so wie es ist, halten zu können. Es soll gar nicht mehr in Frage gestellt werden, dass Bildung heute ein Privileg und „Privatgut“ ist. Die Politiker haben ja offensichtlich auch Erfolg damit gehabt, denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Proteste bundesweit eher schwach ausfielen. Den Studenten wird quasi keine andere Wahl gelassen, als die Studiengebühren hinzunehmen und wahrscheinlich werden sie das auch noch tun, wenn die Gebühren noch mehr erhöht werden. In diesem Artikel wurde dargelegt, weshalb Studiengebühren sozial ungerecht, ineffizient und moralisch verwerflich sind. Aber es liegt an den Studenten ob sie weiter hinnehmen, dass ihnen das Geld aus der Tasche gezogen wird, oder ob sie sich nicht doch dazu entscheiden ihren Protest etwas deutlicher zu gestalten. Rückfragen bitte an: Martin Müller-Mertens Berliner Umschau Ltd. Gaudystr. 6 10437 Berlin www.berlinerumschau.de redaktion@berlinerumschau.de Tel.: 030 / 47 71 591 Die Berliner Umschau - Die Tageszeitung aus der Hauptstadt - berichtet Montag bis Sonnabend mit einem breiten redaktionellen Teil, sowie rund um die Uhr mit einem agenturgestützten Nachrichtendienst. Eine Originaltextangebot, sowie ein Serviceteil runden das vollständig kostenlose Angebot ab. Quelle: Pressemitteilung Berliner Umschau Ltd. publiziert auf openPR.de, 28.09.2006
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